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Changing Imaginations of Istanbul - nonlinear erzählt!


Die Akademie der bildenden Künste veranstaltet zusammen mit dem Institut für Europäische Ethnologie der LMU München ein Seminar im Rahmen des Forschungsprojekts:

“From the Oriental to the “Cool” City. Changing Imaginations of Istanbul, Cultural Production and the Production of Urban Space.”

In diesem Rahmen wird der Künstler und Dokumentarfilmer Florian Thalhofer seinen Korsakow-Film "Planet Galata" und seine Software zum nonlinearen und interaktiven Erzählen mit Film vorstellen. Eine gute Gelegenheit für audiovisuell Interessierte, neue Möglichkeiten der Filmgestaltung kennenzulernen.

Öffentlicher Vortrag: Montag, 06.02., 19:00, im lecture studio i-crew A.02.63 (Akademie der bildenden Künste, München)

institut.korsakow.com
www.thalhofer.com


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Ich hab diesen Film schon vor längerer Zeit angeschaut und das Konzept hat mich in keinster Weise überzeugt. Interaktives Erzählen setzt voraus, dass der Rezipient sinnvoll entscheiden kann und will, welchen Teil er als nächstes sehen will. Bei Planet Galata hat man eher den Eindruck, dass man sich linear durch eine Aneinanderreihung von Takes oder Episoden klickt, die zusammenhanglos sind und der Autor sich den Aufwand einer narrativen Struktur gespart hat. Der Film ist extrem sperrig zu konsumieren und hätte ich ihn nicht anschauen müssen, hätte ich nach einer Minute abgebrochen.
Positiv zu erwähnen ist aber tatsächlich, dass nach der Rezeption eine sehr differenzierte, polyvalente und uneindeutige Sicht auf die Galata-Brücke zurückbleibt, die ich als angenehm empfunden habe. Das hätte man meiner Überzeugung nach aber auch ohne Korsakow-System erzeugen können. Außerdem muss man den leidenschaftlichen Einsatz von Thalhofer für das interaktive Erzählen würdigen, auch wenn die Ergebnisse so noch nicht erfolgversprechend sind.

Interaktives Erzählen ist auch in keinster Weise neu, es ist eher so, dass mit dieser Form zu Beginn des Webs und mit Einführung der CD-ROM im Verhältnis zum geringen Gesamtaufkommen von Multimedia besonders viel experimentiert wurde (hier z.B. die New York Times im Jahr 1996). Hintergrund war und ist auch der alte Traum aus den 70er Jahren, die Wirklichkeit mit möglichst wenig Veränderung durch die absichtlich oder unabsichtlich eingesetzte narrative Macht des Autors wiederzugeben (siehe auch Writing-Culture-Debatte). Daran knüpft Thalhofer bewusst oder unbewusst an ("Linear film lies"). Wegen starker narrativer Probleme konnten sich diese Konzepte aber nie durchsetzen.

Kritisch sehe ich auch die etwas übertriebene Selbstdarstellung des Systems auf verschiedenen Websites vom "Erfinder" Thalhofer, auch wenn das vielleicht mit den Bedingungen des Kunstbetriebs zusammenhängt. Zitat: "ATTENTION: EXTENSIVE USE OF THE KORSAKOW SOFTWARE MIGHT CHANGE YOUR PERCEPTION OF THE WORLD. But don't be afraid: Korsakow is not a religion.". Insgesamt gewinnt man auf diesen Seiten den Eindruck, dass der etwas übereifrig von seiner Idee eingenommene Filmemacher blind geworden ist für die Probleme seines selbstgehypten Ansatzes, den Vorteilen anderer Darstellungsformen und auch dem außerordentlichen Experimentstatus seiner Arbeit.

Den Vortrag werde ich mir natürlich anschauen und freue mich auf bekannte Gesichter.

... Link

Und hier

meine etwas längere Besprechung von Planet Galata:
rufposten.de

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