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Handeln in Hungerkrisen


Das Göttingener Graduiertenkolleg "Interdisziplinäre Umweltgeschichte" hat einen Call for Papers verschickt:
Handeln in Hungerkrisen: Neue Perspektiven auf Hunger als Folge klimatischer und sozialer 'Vulnerabilität'

Hungerkrisen sind jüngst wieder verstärkt in die öffentliche Aufmerksamkeit gerückt. Die Welternährungskrise 2008, die Hungerunruhen der arabischen Welt sowie die Zunahme von Klimaflüchtlingen haben zu einer Neuentdeckung dieses „alten“ Themas durch die Forschung geführt. Im Zuge der Debatte um Klimawandel und –katastrophen zeichnet sich dabei ein neuer, umweltgeschichtlicher Forschungszugang ab, der naturale Umwelt und menschliches Handeln als eng miteinander verflochten begreift. Eine zentrale Rolle spielt in diesem Zusammenhang das Konzept der „Vulnerabilität“ menschlicher Gesellschaften, Gruppen undIndividuen. Der schillernde Begriff verweist auf einen Perspektivwechsel, der gezielt mit rein technologiezentriertenAnsätzen bricht, die Konzentration auf Armut als alleinigen Faktor zu überwinden sucht und daneben zu Vergleichenzwischen westlichen und nicht-westlichen sowie modernen und historischen Gesellschaften ermutigt.
Die ältere Hungerforschung hat das Zusammenspiel von Mensch und Umwelt dagegen entweder als starr determiniertinterpretiert ("Krise des Alten Typs") oder aber ganz auf politische Faktoren wie Armut oder Ungleichheit abgehoben(Amartya Sens "entitlements"-Theorie). Hunger erscheint so als unabwendbare Folge klimatischer Schocks oder aber als gesellschaftliche Herausforderung, die durch „Entwicklung“ und Demokratisierung zu überwinden ist. Diese Dichotomie von natürlichen und menschlichen Faktoren ist durch die jüngere Umweltgeschichte nachhaltig hinterfragt, historisiert und konzeptionell aufgehoben worden. Sie betont stattdessen die gegenseitige Verknüpfung von "built environments" und der „agency of nature“, die im Handeln der Betroffenen fassbar wird.
Ziel des Workshops ist es die Tragfähigkeit neuer Ansätze zu Erforschung von Hungerkrisen zu beleuchten. Dies soll sowohl auf konzeptueller Ebene, bspw. zum Konzept der Verletzlichkeit, als auch durch Fallstudien erfolgen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der historischen Perspektive, deren Fehlen in der Forschung immer wieder beklagt wird. Beiträge zu modernen Hungerkrisen sind aber ebenso erwünscht, wie Untersuchungen nicht-europäischer Regionen. Einführende Key notes werden von Prof. Dr. Greg Bankoff, Univ. of Hull ("Mapping Vulnerability") und Prof. Dr. Gerd Spittler, Uni Bayreuth ("Handeln in einer Hungerkrise") gehalten.
Der Workshop findet vom 26.-28.10.2011 am Göttinger Graduiertenkolleg "Interdisziplinäre Umweltgeschichte" statt und wird von dessen Projektbereich B "Hungerkrisen in Mitteleuropa" ausgerichtet. Er richtet sich an Nachwuchswissenschaftler und Doktoranden aus dem Bereich der Geschichtswissenschaften, der Politik- und Entwicklungswissenschaften oder der Umweltwissenschaften. Interessierte werden gebeten, einen einseitigen abstract ihres Vortrags sowie einen kurzen Lebenslauf bis zum 20. Juli 2011 per email an folgende Adresse zu schicken:
dcollet[at]gwdg[dot]de
Die Rückmeldung über angenommene Vorträge erfolgt Mitte August. Reise- und Übernachtungskosten übernimmt das Graduiertenkolleg. Eine Publikation der Vorträge in einem Sammelband ist vorgesehen. Kontakt und Organisation:
Dr. Dominik Collet, Thore Lassen, Ansgar Schanbacher
Georg-August-Universität Göttingen
Graduiertenkolleg „Interdisziplinäre Umweltgeschichte“
Platz der Göttinger Sieben 5
37073 Göttingen


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