Ethno::log
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Ist das auch frisch?


Ich habe gerade diesen Brief and REWE geschickt. Wer weiß, vielleicht bringts ja was...

Sehr geehrte Rewe-Kette!

Ich war vor kurzem in einem Ihrer Supermärkte einkaufen. Dort war gerade eine Lieferung frischer Ware angekommen, Bananen, verschiedene Gemüse, etc. Dabei wurden die reifen, aber schon etwas älteren Bananen mit den frischen noch grünen ausgetauscht, die gerade angekommen waren. Ich erkundigte mich daraufhin, was mit den anderen Bananen und restlichen ausortierten Waren geschehen würde und erhielt die Information, dass sie weggeworfen werden würden. Da sich die Bananen und auch anderes ausortiertes Obst und Gemüse noch in tadellosem, dem Anschein nach perfekten Zustand befand fragte ich darauf hin, ob ich etwas davon abbekommen könnte. Dies wurde abgelehnt, da es durch die Geschäftsleitung verboten sei. Nun leuchtet mir durchaus ein, dass sie stehts bestrebt sind immer frische Ware anzubieten, schon in Bezug auf mögliches hervorrufen von Unwohlsein bei Konsumenten und das natürlich im übrigen vermutlich niemand mehr eine Banane kaufen würde, wenn er sie 3 Tage später umsonst bekommen würde.

Am gleichen Tag fand ich neben der Kasse einen kleinen Karton mit haltbarerer Essensware, wie Müsliriegel und Erdnussbutter, die dort zum halben Preis angeboten wurden, weil sie schon nahe am Verfallsdatum waren, oder weil sie aus dem Sortiment genommen worden waren.

Meine Frage an Sie ist also, ob es nicht möglich wäre, auch einen Teil ihrer schneller vergänglichen Waren, natürlich mit genauer Beschilderung versehen, günstiger zu verkaufen, wenn diese ihr optimales Verkaufsdatum bereits überschritten haben, aber noch genießbar sind. Dies geschieht im übrigen schon in einigen Supermarktketten, zum Beispiel in England, bei der Kette "Tesco".

Hochachtungsvoll,

Jakob Wetzel


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Reaktionen auf Essensvernichtung

Servus Jakob
Dein Artikel hat mich malwieder daran erinnert bei so mancher Initiative, die sich gegen Lebensmittelvernichtung einsetzt nachzusehen, was sich denn die letzte Zeit (Jahre) so getan hat. Das was du da beschreibst ist ja absolut kein Sonderfall, aber es gibt natürlich ein paar Leute die sich daran stoßen. Momentan bin ich von meinem Eindruck sehr überrascht und ich frage mich, ob an der Entwicklung dieser Gruppen auch eine Entwicklung der Gesellschaft allgemein beobachtet werden kann. Als erstes sind mir natürlich "die Tafeln" eingefallen, die es in dreizehn Jahren geschafft haben über 600 ehrenamtliche Essensausgaben zu organisieren. Für dich dürfte noch interessant sein, dass das Argument „Wir dürfen das Essen nicht herausgeben“ nicht zieht. Aus meinem näheren Bekanntenkreis, die bei den Tafeln mitarbeiten, weiß ich, dass sich zumindest in einem speziellen Fall Aldi rege beteiligt, der Lidl jedoch genau mit diesem Argument seine Ware vernichtet. Ich denke es kommt dabei auf die Kette, die Marktleitung und auch auf die Motivation des einzelnen Mitarbeiters an. Besonders überrascht war ich, dass selbst alteingesessene Bewegungen wie „Food not Bombs“ anscheinend einen Aufschwung erleben. Auch diese Gruppierung sammelt Essen, das weggeworfen werden soll und kocht daraus Mahlzeiten. Im Gegensatz zu den meisten Organisationen haben sie aber keine spezielle Zielgruppe und betonen dass ihre Essensausgaben als Treffpunkt für alle offen sind. Bedürftige müssen ihren Anspruch also nicht erst am Eingang beispielsweise per Sozialhilfeausweis nachweisen und Normalsterblichen wird vor die Augen und in den Mund geführt was eigentlich als „Ausfall“ im Supermarkt einberechnet war. Desweiteren gibt es Aktivisten aber wohl auch immer mehr Bedürftige, die genau wissen wann sie wo einen Container öffnen müssen um, dann beispielsweise an kiloweise Joghurt-Paletten heranzukommen.
Weiß jemand was über die Situation in München? Gabs nicht im Kafe Marat irgendwann einmal eine Food not Bombs-Gruppe?
Infos, Links, etc finden sich wiedermal gebündelt bei Wikipedia:
Die Tafeln: de.wikipedia.org
Food not Bombs:
de.wikipedia.org

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nachhilfe?

sorry, ich krieg den ethno-zusammenhang nicht wirklich hin.

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Puh

Tat mich am Anfang auch sehr schwer, drum bin ich ja auch mit den etwas abwegigen Netzwerken gekommen, mit denen ich dann vorsichtig auf eine gesamtgesellschaftliche Reaktion bzw. Entwicklung hindeuten wollte. Nun könnte man ja den Kreis noch weiter ziehen und danach fragen, wie organisierte Essensvernichtungen oder auch -überschwemmungen auf die lokalen Märkte einiger Länder wirken. Dann hätten wir vielleicht mit biegen und brechen die ethnologische Relevanz-Kurve bekommen.

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nun, ich denke es gäbe schon über Umwege einen Ethno-Bezug. Aber trotzdem werde ich nun auch so sein, wie es ziemlich genau vor einem Jahr jemand zu mir war und sage Dir:
nestap, solche Sachen gehören in Dein eigenes Blog! :-)
Also Hau Rein! Ich freu mich schon drauf!

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Das Wegwerfen wäre für die Märkte sogar gut (und es ging ja um Bananen, die tw. aus Schwellenländern importiert werden).

Aber ich finde auch: Netstap braucht ein eigenen Weblog ;-)

(Meld dich, wenn du eins brauchst)

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Something Different

Es gibt übrigens immer die Möglichkeit, ALLES was euch interessiert (und wenn es auch der größte Schwachsinn ist) unter der Rubrik "Something Different" zu posten und das Häkchen "Show this story on the front page" zu entfernen. Dann wird der Artikel nur rechts in der spalte aufgelistet, wo ihn aber die gewitzten Mitglieder hier auch finden.

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wobei das natülich etwas schwer ist bei sovielen kommentaren genau das zu finden, was nicht auf der homepage zu sehen ist, kerle. das bekommt dann mindestens genauso wenig irgendwer mit, wie wenn man das auf sein eigenes blog stellt ;)

und ja, wie be und auch kerle, ich fordere ein eigenes blog für nestap!

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nu ja,

es gibt ja doch einige, die dieses Blog per rss-feed abonniert haben, und somit nichts verpassen. (das hier ist übrigens das Feed mit Comments: sonner.antville.org)

?? von was redet die ??

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mhh das is nich so falsch. den muss ich wohl nochma abonieren.

also nich commentspammen bitte ;)

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vor ca. einer Woche kam in irgendeiner Fernsehreportage ein Bericht über Menschen die dieses Müll-fishing oder wie es genannt wird betreiben! (war glaube ich sterntv oder rtlexplosiv oder irgendso ein Kram!)2 junge Frauen aus Berlin wurden mit der Kamera bei ihren nächtlichen Streifzügen zu Mülltonnen von Supermärkten begleitet...In Interviews wurde dann auch erläutert, dass sie dies aus moralischen bzw. ideologischen Gründen tun und nicht weil sie finanziell darauf angewiesen sind. Es wurde auch erwähnt das schon eine beträchtliche Anzahl an Menschen dies tut. Von daher sehe ich sehr wohl kulturrelevante bzw. vlt. stadtenthnologische Aspekte in dieser Thematik! Oder ist soetwas dann wieder nur ein Untersuchungsgegenstand für die Soziologie?

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"Oder ist soetwas dann wieder nur ein Untersuchungsgegenstand für die Soziologie?"

*gg der war gut.

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dumpster diving heisst das,

und ist eine ganz alte sache, die in bestimmten szenen gang und gaebe ist. beliebt zb in berlin.
en.wikipedia.org

oh, containerblogger gibts auch:
container.blogsport.de

die typen gibts auch:
freegan.info

hier gibts zb CREATIVE CONTAINER CUISINE, die machen mit dem zeug vokue, de.wikipedia.org

die tafeln sind an sich eine gute sache, aber hier zb musste man zumindest zeitweise (war lange nicht mehr da) beduerftigkeit nachweisen, um was zu kriegen.

das war nicht immer so; ich werde nie vergessen, wie wir mal gaeste aus usa hatten, die total durchgedreht sind bei der erwaehnung eines "free-shop" und meinen ganzen kuehlschrank mit zeug gefuellt haben, konnten aber leider nicht sehr gut kochen ;-)

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Bekannte?

Kennt von Euch Jemand in der Szene? Wir möchten eine Tour für academics durch München zum Thema Essen konzipieren, und Dumpster Diving könnte auch dazu gehören..

Danke!

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gratuliere nestap...

...meiner meinung nach eine absolut notwendige und wichtige diskussion. respekt für den brief und alles. ersntgemeint. dass essen in europa im übermaß subventioniert und produziert wird hat auswirkungen auf anderen erdteilen: die subventionierten rindfleischberge beispielsweise überschemmen den westafrikanischen markt, die einheimischen landwirte haben nicht die geringste chance bei den dumpingpreisen mitzuhalten und verarmen. also was machen sie in ihrer not? sie klettern in kleine boote und machen sich auf den weg nach europa. zugegeben, dramatisch verkürzte version globaler zusammenhänge aber: das ist relevanter gesprächsstoff, ERST RECHT FÜR ETHNOS!
wer die ethno-kurve immer noch nicht bekommen hat, der möge sich über städtische wildbeutergesellschaften informieren. da gibts noch einiges im netz zu entdecken.
l.

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ethno?

Also ethnomässig wäre zu diskutieren, inwieweit es vertretbar ist, dass Bananen hierhergekarrt werden.
Gibt es nicht auch in München eine Tafel, wo Essen für Bedürftige bereitgestellt wird?

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Hä? Den Zusammenhang erklärst du mir jetzt bitte. Food Migration?

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ethnomäßig...

...wäre es mal an der zeit uns in politisch relevante themen einzuklinken. die ethologie (so a schmarrn: die ethnologen, also wir!) sollte(n) sich überlegen, wie sie einen beitrag zur lösung (oder zumindest zur erörterung) dringlicher probleme leisten kann. dann kommen wir auch mal aus dem elfenbeinturm, sonst bleibt die power-flower nur ein wort. wir könnten nach den gesellschaftlichen und kulturellen grundlagen der überproduktion fragen (man kann zwar sicher auch ökonomisch argumentieren, aber schließlich haben die endverbraucher andere motive als die produktion). sehr inspirierend fand ich den film "we feed the world", der is von dem österreicher erwin wagenhofer. food migration ist gar nicht so weit hergeholt.

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Für Ethnologen interessant ist auf jeden Fall die schon im Ursprungspost angesprochene Verwertung der weggeworfenen Lebensmittelressourcen. Hier zeichnet sich ja regelrecht 'Lebensweise' ab. Weiterhin interessant für Ethnologen ist die Illegalisierung der Verwertung des Mülls. Rechtlich bleibt Müll bis zu seiner Vernichtung Eigentum. Ich kenne jemanden, der hat wgn Diebstahls eine Gefängnisstrafe zur Bewährung bekommen, weil er aus einem Container weggeworfene Buchsbäume mitgenommen hat.
Ist doch geradezu prädestiniert das Thema für "normal in München"--oder gibts in München kein dumpster diving ?

"wir könnten nach den gesellschaftlichen und kulturellen grundlagen der überproduktion fragen"

Das wäre sowiso notwendiger Kontext für eine Ethnographie der illegalen (Lebensmittel-)Müllverwertung.

"food migration"

Das Stichwort bringt mich auf eine ganz andere Schiene, nämlich die, wie sich der Handel mit Fertig- und Tiefkühlprodukten über Supermärkte, wie z.B. in Indien, auf Lebens- und Einkaufspraktiken der Menschen auswirkt.

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Ist doch geradezu prädestiniert das Thema für "normal in München"--oder gibts in München kein dumpster diving ?

Bei mir vorm Haus durchsucht jemand regelmäßig den Altglas-Container nach Pfandflaschen. Gehört wohl auch dazu.

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ja, "arm und reich"

das wäre bestimmt ein interessantes Thema, vor allem hier in München. [Übrigens, die neue Ethnologik befindet sich im Druck!]

Zu "we feed the world" hier der Trailer auf der Website zum Film und hier eine 3min ZDF Reportage zum Film.
"Wer an Hunger stirbt, wird ermordet" - sagt da einer...

Lekke: "...sonst bleibt die power-flower nur ein wort."
Volle Zustimmung!

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arm und reich ?

Genau, "arm und reich" wäre die erste Zuordnung, auf die man mal genau schauen könnte, beim dumpster diving.
Sind das Leute, die sich kein Essen kaufen können? Sind das Leute, die kein Geld haben? Wenn ja, aus welchen Gründen "haben" die kein Geld?
Und wenn nein, warum dumpster diven sie dann?

"Bei mir vorm Haus durchsucht jemand regelmäßig den Altglas-Container nach Pfandflaschen."

Da gehts um Bargeld. Denke, wenn man anfängt, sich damit zu beschäftigen, das Feld ganz schnell anfängt, sich zu differenzieren.

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Die Idee das sich die Ethnologik mit Müll in München beschäftigt find ich phänomenal. Da schießen mir gleich haufenweise Ideen in den Kopf.
Momentan läuft in den deutschen Kinos der neue Film von Nikolaus Geyrhalter "Unser täglich Brot", (der auch "elsewhere" gemacht hat) und sich auch mit Lebensmittelproduktion in Österreich beschäftigt. Wie wärs mit nem gemeinsamen Kinogang?
Hättet ihr Interesse "We feed the world" in der FilmAG anzuschaun??

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der geyrhalter

steckt im übrigen auch hinter "we feed the world", meines wissens zumindest. auch ein film der in dem zusammenhang unbedingt erwähnenswert wäre ist "darwins alptraum" (zu der zeit durfte man das noch so schreiben, glaub ich), über die fischereiökonomie in tansania und den mit eu-geldern finanzierten raubbau an der umwelt und den menschen, damit wir unser fischfilet für 1,99 im supermarkt bekommen. hab die dvd und stelle sie bei interesse gerne zur verfügung.

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den "darwins alptraum" kann ich auch nur empfehlen. da gabs bei arte auch direkt nach der ausstrahlung eine diskussion mit einem ethnologen und dem filmemacher. hatte die aufgenommen und doch leider schon wieder gelöscht.

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also, wenn man mal die Trailer miteinander vergleicht... hui, da kommt ja "we feed the world" etwas netter rüber. Darwin's Nightmare dagegen scheint die Sache etwas direkter anzugehn...

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Ich hätte großes Interesse an "We feed the world".

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...ähem...

also das ist glaub ich nicht der offizielle trailer von darwin´s. die bilder sind aus dem film, aber die musik...da hat sich wohl jemand ausgetobt!

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