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Ethno::log |
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Dept. of localica, zephyrin, Tuesday, 13. March 2007, 21:10 Hohe Wachsamkeit Die e-mail, welche im Eintrag Beschäftigung mit einschlägiger Literatur in Udo Vetters law blog im Volltext zitiert wird, ist authentisch. Gestern fand sie sich nämlich auch in meiner inbox, wie auch in der e-mail der Kollegen im Gebäudeflügel. Zunächst dachte ich an einen hoax, doch eine kurze Überprüfung ergab die Authentizität. Denjenigen, die mich kennen, wird klar sein, daß es bei mir das Überdruckventil zerrissen hat. Meine Reaktion war der Entwurf eines langen Eintrages in mein eigenes weblog. Dann kam ein Kollege—auch mit abgerissenem Überdruckventil—und wir haben länger über die ganze Sache gesprochen. Das Ergebnis war, daß ich meinen Entwurf des blog-Eintrages gespeichert habe, also nicht fertiggeschrieben und nicht veröffentlicht. Mir fiel auch die "alte Regel" wieder ein: Bei geplatztem Überdruckventil 24 Stunden warten, bevor man in Aktion tritt. Hat man "eine Nacht drüber geschlafen," sieht die Welt wieder anders aus, man hat vielleicht mehr Distanz und Überblick. Heute morgen beim Aufwachen war mir aber vollkommen klar, daß man die Sache nicht auf sich beruhen lassen kann. Mir war nur nicht klar, welche Schritte einzuleiten sind. Dienstweg? Brief an den Rektor mit Bitte um Klärung? Anruf beim Autor der mail via Diensttelefon? Bei der Süddeutschen Zeitung anrufen? Online veröffentlichen? Nun, das law blog war schneller, und anscheinend befasst sich jetzt die Universitätsleitung mit der Angelegenheit. Von was hier eigentlich die Rede ist? Hier der Volltext, wie auch im law blog veröffentlicht, identisch mit dem Text in der e-mail, die meine Kollegen und ich erhalten haben: "Sehr geehrte Damen und Herren, der islamistische Terrorismus stellt weiterhin die größte Bedrohung der Inneren Sicherheit der westlichen Staaten und damit auch Deutschlands dar. Aus Sicht der Sicherheitsbehörden besteht eine erhöhte abstrakte Gefährdung. Wie Sie Presseverlautbarungen vom Wochenende entnehmen können, wurden Anschläge von Islamisten auch für die Bundesrepublik und in Österreich angekündigt. Auch die gescheiterten Kofferbombenanschläge auf Regionalzüge am 31. Juli 2006 in Dortmund und Koblenz sind ein Beleg dafür, dass auch Deutschland nicht nur Rückzugs- und Ruheraum, sondern Anschlagsziel für islamistische Terroristen ist. Es ist also hohe Wachsamkeit geboten. In diesem Zusammenhang sollte auf Hinweise auf Studierende, Mitarbeiter oder sonstige Gebäudenutzer geachtet werden, die sich durch besondere Verhaltensweisen, wie z. B. einen Bruch im Lebenswandel, Gewaltbereitschaft, radikal-verbale Äußerungen oder Beschäftigung mit einschlägiger Literatur auffällig in Richtung islamischer Fundamentalismus verändern. Ich darf Sie bitten, verdächtig erscheinende Wahrnehmungen, die Rückschlüsse auf eine islamisch-fundamentalistische Haltung zulassen, unverzüglich hierher mitzuteilen. Bitte informieren Sie Ihre Mitarbeiter entsprechend. Ludwig-Maximilians-Universität München Mit freundlichen Grüßen [Name entfernt] Ltd. Regierungsdirektor" [Hervorhebungen durch Fettdruck von mir] Vor dem Hintergrund des Leitthemas "Macht" der erst jüngst erschienenen neuesten Ausgabe der Ethnologik ist das Ganze ein Treppenwitz—wäre die Angelegenheit nicht so tragisch. Sind wir wieder so weit? Dazu passend Kommentar Nr. 17 im law blog: "Die Hauptstadt der Bewegung, mal wieder Avantgarde!"
just be.,
Wednesday, 14. March 2007, 01:38
... link
zephyrin,
Wednesday, 14. March 2007, 10:09
Uni-Mitarbeiter sollen Islamisten aufspüren
Financial Times Deutschland: Exklusiv: Uni-Mitarbeiter sollen Islamisten aufspüren
Süddeutsche Zeitung: Schläfer-Suche an der Universität Telepolis (heise.de): "Höchste Wachsamkeit geboten, bei Auffälligkeiten Sicherheitsbehörden informieren" ... link
kerleone,
Wednesday, 14. March 2007, 11:47
Irre! Und der Kanzler stellt sich noch vor seinen Mitarbeiter. Ich hab mich ja bisher zurückgehalten, weil ich aus den Verirrungen eines einzelnen Mitarbeiters nicht die ganze Uni verunglimpfen wollte, aber das ist nicht nur menschliches Versagen, sondern auch Versagen im Sinne von Öffentlichkeitsarbeit.
Wie stellen die sich das eigentlich mit den Terroristen vor beim Verfassungschutz? Wie eine Krankheit, die einen befällt und dann Symptome zeigt? Besonders hinterhältig ist die auf den ersten Blick neutrale Beschreibung ("Hinweise auf Studierende, Mitarbeiter oder sonstige Gebäudenutzer") weil durch die genauere Bestimmung klar ist, dass es sich nur um Moslems handeln kann. Er hätte gleich schreiben können: "Schau dir die Moslems genau an, die du siehst! Es könnten Terroristen sein" Die ganze bayrische Polizei zeigt mehr Feingefühl in der Vermeidung religiöser oder rassistischer Bedrohungsklischees. Stellt euch vor, die würden Warnplakate aufhängen: "Sie haben Schwarze in der Nachbarschaft? Achten sie darauf, ob sich Hinweise darauf ergeben, dass sie Fahrräder klauen". ... link
just be.,
Wednesday, 14. March 2007, 18:27
Aus dem, von Zeph verlinkten Telepolis Artikel, dessen Titel ein Zitat Becksteins ist:
"Thomas May, der Kanzler der Universität, hat sich hinter den Aufruf gestellt und hält diesen für "vertretbar", da sie aus der Universität noch kein "Bespitzelungsunternehmen" mache. Auch der bayerische Innenminister Günther Beckstein unterstützt den Aufruf, da "gerade an Universitäten hohe Aufmerksamkeit notwendig" sei." die stellen sich auch noch dahinter! Ist so eine email nicht verfassungwidrig? Kommen die jetzt nich ins Gefängnis? (würd ja gern einen Smily hinter die letzte Frage setzen, aber irgendwie finde ich es gar nicht lustig) ... link ... comment
jensz,
Wednesday, 14. March 2007, 10:21
Ja, "seid wachsam", mahnte Bert Brecht und meinte es anders - ich schäme mich für diese Universität!!
... link ... comment
kerleone,
Wednesday, 14. March 2007, 12:06
Noch was
Dabei geht es gar nicht darum, dass man nichts gegen Terrorverdacht machen darf und das ganze endet wie bei Biedermann und die Brandstifter. So ein Text hätte es doch auch getan:
"Die Teroranschlägen der letzten Zeit wurden oft im universitäten Umfeld vorbereitet. Die Universitätsleitung möchte zur Vermeidung von gewalttätigen und extremistische Ideen auf dem Universitätgelände beitragen und hat deshalb einen Beauftragten zur Vermeidung von Extremismus und terroristischer Gewalt geschaffen. Wenn sie Fragen haben oder auffällige Beobachtungen in ihrem Umfeld machen, dient er ihnen als Ansprechpartner und Kontaktperson." ... link
pietzler,
Wednesday, 14. March 2007, 12:59
Was wäre wenn?
Erstmal bin ich wirklich froh, dass ihr euch über diese Email auch so ärgern müsst. Was ich besonders schwierig an dem Text finde ist, dass keinerlei Auskunft gegeben wird, was nach meiner Anschwärzung passieren würde. Es wäre wirklich interessant, ob die Info tatsächlich an den Staatsschutz weitergeleitet wird, durch welche Maßnahmen die betroffene Person überprüft wird und welche Reaktionsmöglichkeiten sich für die Uni sammt Staatsschutz ergeben. Diese Auskunft ist meiner Meinung nach nun die Uni schuldig, aber leider konnte ich auf der Homepage der LMU noch keine Stellungnahme finden.
Ich denke Leserbriefe an die großen Tageszeitungen sind dringend notwendig. Die Verteidigung unserer ach so wunderbaren Demokratie findet, meiner Meinung nach definitiv nicht am Hindukusch statt. ... link ... comment
Dijon,
Wednesday, 14. March 2007, 13:32
Attentäter bringen unschuldige Menschen um, Schergen und Spitzel die Freiheit eines ganzen Volkes.
Lebt denn der Geist von Gestapo und Stasi ewig weiter, Herr Hüttenhofer, Herr Kanzler May? ... link
jensz,
Wednesday, 14. March 2007, 19:00
Wer nicht einmal zwischen Fundamentalismus, Islamismus und Terrorismus zu unterscheiden weiß, begreift vermutlich auch nicht, warum ein solcher Aufruf (wenn er denn befolgt wird)so bedenklich ist.
... link ... comment
pietzler,
Wednesday, 14. March 2007, 13:48
BR-Nachrichten mit Online-Umfrage
Auch BR-Online berichtet nun und hat sogar eine Umfrage gestartet, die bisher ein, meiner Meinung nach, erschütterndes Ergebnis Pro-LMU-Email aufweist:
www.br-online.de ... link
orangemcm.,
Saturday, 17. March 2007, 13:27
hexenjagd
*boah. Da ist man mal ne Woche arbeiten und dann findet man sowas im Feld. Selbst mir Zynikerin fällts schwer, das zu glauben.
Zum Stichwort Islamismus fällt mir spontan eine Maßnahme zur "Förderung der interkulturellen Kompetenz" ein, die mir im letzten Jahr begegnet ist. Teilnehmende dieser Fortbildung hatten geäußert, daß im Sprachgebrauch der Tutoren 'Moslem' ersetzt war ... link ... comment |
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