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A new Völkerschau at the Zoo?
The zoo of Augsburg/Germany is planning to open a "african village" with people from africa "situated in an unique African steppe landscape", critically reported Norbert Finzsch, professor of History at the University of Cologne. The opening of the show is scheduled for July 9 - July 12 2005, in an email to our institute.

Even if the show will not exhibit people in cages like animals, but as artisans, silversmiths, basket makers and traditional hairdressers in a village, the are some implications with this idea. First of historical dimension, as the infamous "Völkerschauen" from the german zoo hagenbeck led to the death of many people, caused by malnutrition, bad living conditons and diseases. Second - and this didn't change since Hagenbeck - the displacement of humans in the realm of animals in an atmosphere of exotism and as part of the nature they are living in.

It's remarkable, that scientists at our university are researching the historical dimension of the Völkerschauen in the 19th century while the zoo of augsburg in about 80km distance is carrying on this tradition in the 21th century. See also this paper from Kurt Jonassohn (thnx to anthropologi.info).

But what do you think? Is there any chance to invite african artist to a zoo without making the same misstakes as 100 years before? Is it positive racism that we fear that artists in a zoo get mistaken for animals? I wrote a letter to the zoo and asked them for their view of things.

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Protestschreiben
Ich verweise auf folgendes Protestschreiben.
Auf der Seite auch der Brief der Zoodirektorin. Sie schreibt, dass die Veranstaltung von "farbigen Afrikanern" betreut werde und irgendein Togo-Verein einen Stand aufbaut, weil er begeistert ist. Die Vorwürfe, so die Zoodirektorin, seien nicht statthaft. Nur ein Zoo könne, so wörtlich, auch die "Atmosphäre von Exotik" vermitteln.
Persönlich meine ich, da wurde jemand zu heiß gebadet. Sachlich meine ich, die Veranstaltung ist sehr diskussionswürdig.

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Zumindest
dient es wohl dazu, kulturelle Stereotype zu reproduzieren. Und das ist ganz generell nicht gut, auch nicht, wenn es als Marketinginstrument der betroffenen Gruppe dient.

Just my 2 cents

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Ja, und wir reproduzieren wahrscheinlich auch wieder unser eigenes Stereotyp aus dem damaligen kolonialen Deutschland. Nämlich dass vom Kolonialdeutschen mit seinem Interesse am Exotischen. Es wird bei dem Kritiker wie beim Veranstalter reproduziert. Der Kritiker reproduziert es negativ, der Veranstalter positiv. Aber an der Geschichte kommen wir alle nicht vorbei.

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Stimmt, aber ein anderes haarige Element an der Veranstaltung ist die Reduktion eines noch dazu essenzialisierten "Afrika" auf eine Tradition, die selbstverständlich statisch gedacht wird. Das lässt sich auch ohne Verweis auf koloniale Exotisierung anführen.

Doch wenn es nur um stinknormale Exotik ginge, wäre das ja sogar noch halb so WILD (sic!). Denn dann müsste man sich über jedes Afrika-Festival noch viel mehr aufregen, etwa das kürzlich in München, bei dem neben den Trommeln auch Buddhastatuen und Didgeridoos verkauft werden, weil diese Dinge allein wegen ihrer Exotik mit afrikanischen Trommeln verbunden sind.

Der Veranstaltungsort Zoo - der ja nun einmal nichts anderes als ein TIERgarten (sic!) ist, in dem ansonsten ja auch nicht Peter Maffay oder Sarah Connor auftreten - ist in meinen Augen vor dem Eindruck der Völkerschauen der wesentliche Kritikpunkt.

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Andererseits, könnte man nicht auch einfach der Meinung sein: Die Veranstaltung schadet niemandem, wir wissen, dass Afrikaner keine Tiere sind und keiner nimmt sie heute als solche wahr und die Reduzierung der afrikanischen Kultur auf den einen Kontinent und auf Trommeln etc. ist so einer Veranstaltung nicht übel zu nehmen. Wir fahren ja auch zum Schuhplattln nach Japan.

Aber trotz so einer Argumentation: Die historischen Völkerschauen lassen sich nicht ausblenden. Wenn der Zoo dazu nicht Bezug nimmt, ist das in jedem Fall ein Fehler der Öffentlichkeitsarbeit. So kann leicht einer kommen und die reintunken (ich wette, das macht die Presse noch, es ist einfach zu verlockend so).

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Ich weiß nicht... Es reproduziert immerhin sozusagen den bestehenden Diskurs der Verkürzung, der Traditionalisierung und der Serengetisierung. Ich war übrigens noch nie Schuhplattln in Japan.(zwinkerndes Emoticon)

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Die Veranstaltung schadet niemandem, wir wissen, dass Afrikaner keine Tiere sind und keiner nimmt sie heute als solche wahr

Da wäre ich mir jetzt aber nicht so sicher...

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Ich auch nicht, gerade die Verkürzung und Simplifizierung von Diskursen begünstigt ja die Tradierung von Vorurteilen. Je weniger Bildung, umso stärker die Vorurteile und Stereotypen.
Das dann solche Ideen wieder aus der Mottenkiste geholt werden (und es die meisten noch nicht mal merken!) wundert mich daher überhaupt nicht.

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Vom Inszenieren der Geschichte
Ich sehe dies in einem etwas anderen Zusammenhang--weniger in einem, der mit der "Rennaissance" von Rassismen zu tun hat
(und ich möchte mal explizit darauf hinweisen, daß der Begriff Rasse durchaus Bestandteil eines zeitgenössischen terminologischen und bestimmte Wissensbereiche ordnenden Diskurses ist, nämlich immer wenn es nicht um Menschen, sondern um Tiere geht), sondern vielmehr in einem Zusammenhang, der exemplarisch ist für einen spezifischen Umgang mit Geschichte.

Durch die museale, theatrale (auch Zoo- und Zirkusdarbietungen beinhaltende) Darstellung und die Denkmal-Inszenierung von Geschichte wird die Vergangenheit fixiert.

Sie wird dadurch konkretisiert, aber durch den Prozess der Vergegenständlichung auch massiv reduziert.

Die Vergegenständlichung der Vergangenheit in Ausstellungsobjekten weiterhin führt zu einer Abkopplung der Gegenwart von der Geschichte und erzeugt Differenz zwischen Betrachter und Objekt.

Unser Umgang mit Geschichte generell ist charakterisiert von der Haltung, sie läge hinter uns; sie sei abgeschlossen; wir hätten--und diese Haltung ist weitverbreitet--nicht einmal mit ihrem Erbe zu schaffen. (Ausnahmen sind Bedingung für die Regel.)

Hierin liegt die Gefahr,
denn "durch tausend sichtbare oder unsichtbare Fäden einer dichten gemeinsamen Textur ist die Gegenwart mit der Vergangenheit verbunden"
und dies betrifft mehr als das Inszenieren des kolonialistischen Blicks innerhalb einer Afrikaausstellung.



.

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he. vielleicht sollte ich den zoo mal anschreiben und mich als langzeitstudent (in einer radikalen erweiterung des ethnie begriffs) zu ausstellungszwecken zur verfügung stellen. was meint ihr, hab ich ne chance oder muß ich noch fünfzig jahre warten?

edit: thx für den initialen hint @kerleone, die veranstaltung ist superdiskussionswürdig.

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Begeisterung fuer Voelkerschau
Was die dubiose Begeisterung der Teilnemenden Afrikaner betrifft erinnert mich an die naivitaet mit der Afrikanische Collaborateure seit hunderten von Jahren ihre eigenen Leute als Sklaven an Fremde verkaufen. Als Augsburger Bi--racial Afro--Deutsche, die in Deutschland staendig mit Affen verglichen wurde um als minderwertig abgestempelt und disciminiert werden zu koennen langweilt es mich was Afrikaner von wo auch immer dazu zu sagen haben. Das immage vom Wilden das hier vermittelt wird wird auf alle mit schwarzer herkunft uebertragen. Die auswirkungen sind vernichtend, besonders fuer die bi--racial kids, die ohnehin Schwierigkeiten haben sich in der Deutschen Kultur zu finden. Ich bin sicher das die Handler vom "Motherland" sich darueber keine Gedanken machen, da ihre racial identity schon complet war befor sie nach Deutschland kamen, um den Bayrisch/Schwaebischen Durchschnittsfascho mit Onkel Tom naivette zu entertainen. Und auf geht's, zum fortgesetzten Ausverkauf von Afrikanischer Kultur, damit die die uns ohnehin fuer Halaffen halten gut unterhalten werden.

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unkontrolliert assoziiert: Kafkas Hungerkünstler (1922), was mir irgendwie Rilkes Panther (1875 und 1926) in einem ganz neuen Licht erscheinen läßt.

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nochmal ´inszenieren von geschichte`
weiter assoziiert, komplett unfertig, was solls--
euch sind die "pseudoreportagen" geläufig, die seit jurassic park über überwiegend privatsender verbreitet werden? ich meine diese filme, die auf digitalen animationen (digitalen visualisierungen) basieren, aber reportagenartig, wie eine tierdokumentation (grzimek und sielmann alike) aufgzogen sind, allerdings zeitreisen in die vergangenheit darstellen und prähistorische teile der vergangenheit thematisieren, wie die zeit der dinosaurier und die nachfolgende ära der der ersten raubsäugetiere anhand einer "disneyisierung" der tierdokumentation, indem ein protagonist kreiert wird (diesem möglicherweise sogar ein name gegeben wird), der durch die handlung führt..?

dies geht in dieselbe richtung von dem, was ich mit inszenieren von geschichte meine,
es wird etwas geschaffen, das man sich ansehen kann,
unnötig zu erwähnen, daß ich dies für eine spannenden gegenstand der analyse halte..

edit: ..weil in den programmzeitschriften nicht spielfilm steht,
sondern dokumentation. ;-)

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Die Presse - Die Erste
Kerleone hatte Recht: Die Presse ist drauf angesprungen. Und das auch noch schneller als gedacht: in der eher kolonialkritischen taz.

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Sehr ausgewogene Kritik, muss man lobend sagen. Das Thema würde sich für Bashing und ne gute schlagzeile ganz gut eignen. Und die Frau vom Zoo hat wohl auch gelernt.

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Presse 2, 3 und 4
Es gibt weitere Stimmen zur Veranstaltung, nur der Vollständigkeit halber: in der Süddeutschen Zeitung vom 30. Mai, S. 49; im Spiegel dieser Woche, S. 163, und in der Frankfurter Rundschau vom 28. Mai, S. 16. Die anderen Texte sind nicht online, aber in den Bibliotheken.

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Presse 5
Um nicht unter Verdacht zu geraten, die anderen Stimmen bewusst zu verschweigen: hier auch noch Die Welt.

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Was die dubiose Begeisterung der Teilnemenden Afrikaner betrifft erinnert mich an die naivitaet mit der Afrikanische Collaborateure seit hunderten von Jahren ihre eigenen Leute als Sklaven an Fremde verkaufen."

Mit Verlaub, das nenn ich einen Whitey Diskurs.
Der Vergleich ist unpassend und unzutreffend. Sklaverei war weit verbreitet auf dem afrikanischen Kontinent, bevor die Weißen kamen und sie sich angeeignet haben, man kann sagen Sklaverei gehörte in weiten Teilen zur Kultur.
Sklaven konnten Kriegsbeute sein, oder z.B. Leute konnten Schulden nicht begleichen und haben sich selbst versklavt. Der große Unterschied aber bestand in der Stellung, die die Sklaven im sozialen Verbund hatten, (sie wurden z.b. Teil des Familienverbundes) und in ihrer Lebensqualität im Vergleich zu dem Schicksal, das sie bei den Weißen erwartete.


" Als Augsburger Bi--racial Afro--Deutsche, die in Deutschland staendig mit Affen verglichen wurde um als minderwertig abgestempelt und disciminiert werden zu koennen ..."

Krass. Mich hat man als Kind mit nem Breitmaulfrosch verglichen.


" Das immage vom Wilden das hier vermittelt wird wird auf alle mit schwarzer herkunft uebertragen."


Jetzt würde ich doch gern wissen, warst du selbst dort ?
Inwiefern wird da ein Image von Wilden vermittelt? Durch Trommelkurse und Kochkurse?
Sind Afrikaner im Lendenschurz zu sehen, die sich ein selbstgejagtes Kaninchen auf offenem Feuer brutzeln?
Habe ich eine falsche Vorstellung von Wilden?


" Und auf geht's, zum fortgesetzten Ausverkauf von Afrikanischer Kultur..."


Es ist ein kommerzielles "multikulti" event wie jedes zweite Stadtfest heutzutage und als solches kann man es kritisieren.
Ich bin erstaunt, was die Veranstaltung für Wellen schlägt.
Gleichzeitig lenkt der Sturm um das African Village wichtige Aufmerksamkeit ab von viel gefährlicheren Rassismen, die in Deutschland praktiziert werden,
so z.b. Todesfälle von farbigen Verdächtigen in Polizeigewahrsam und Todesfälle von Abschiebehäftlingen.

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